Dienstag, 10. Februar 2009

Die Krisenfolgen für die '3.Welt'

"Die Finanzkrise trifft die Armen doppelt
Politik
Von Reinhard Nixdorf
Wirtschaftskrise greift auf die von der Lebensmittelpreiskrise erschütterten Entwicklungsländer über – Hilfe hält sich in Grenzen
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In der Ersten Welt werden Rettungspakete in Milliardenhöhe geschnürt, in Drittweltländern droht die Katastrophe.

Während die reichen Staaten ihren Geldinstituten mit Milliarden und Abermilliarden Dollar und Euro zu Hilfe eilen, steht die unterentwickelte Welt der Krise, die auf sie übergreift, ohnmächtig gegenüber: Die Rohstoffmärkte sind zusammengebrochen, die Nachfrage nach Konsumgütern geht drastisch zurück, Fertigungsanlagen müssen schließen. Der unterentwickelten Welt drohen der Abzug ausländischen Kapitals, drohen höhere Kosten für Kredite und Absatzprobleme für ihre Exporte."
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http://www.die-tagespost.de/2008/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1

An dieser Entwicklung sind wir nicht unschuldig. Wir tragen dafür eine Mitverantwortung und haben eine Mitschuld. Wir importieren Billigprodukte von ihnen, die oft von Kinderhand gefertigt werden, damit wir auf ihre Kosten sparen und billig einkaufen können. Nicht ohne Grund schießen bei uns die 1-Euro-Shops aus dem Boden. Das Gleiche gilt für die Non-Food-Artikel der Discounter. Für die günstigen Textilartikel wird mit Überstunden für einen Hungerlohn gearbeitet. Die Geiz-ist-geil-Mentalität hat sich vielerorts durchgesetzt. Wenn jemand jeden Euro umdrehen muss, kann man dieses Einkaufsverhalten ja noch verstehen. Da kaufen aber nicht nur einkommensschwache Menschen ein. Für einen Markenartikel, hergestellt unter ähnlichen Konditionen und Materialen, zahlen die Möchtegerns einen erhöhten Preis und laufen für das Logo freiwillig Reklame.

Wir haben ihre Märkte mit unseren günstigeren Produkten versorgt, so dass sie ihre einheimischen Agrarprodukte schlecht verkaufen konnten. Einheimische Bauern bekamen deshalb Absatzschwierigkeiten und standen/stehen vor dem Ruin. Die finanzstarken Länder kaufen dort Land auf.

Wo ist eigentlich der Butterberg geblieben? Wir vernichten Lebensmittel, damit wir die Preise halten können. Die EU hatte ja z.B. so etwas wichtiges zu tun, wie über den korrekten Krümmungsgrad der Salatgurke zu entscheiden, während andere nichts zu essen haben.

Wir haben Entwicklungshilfe an Länder gezahlt, die ihnen nicht gebührte, die sie nicht benötigen und tun es immer noch. Wir haben nicht darauf geachtet, dass bedürftige Länder die Gelder sinnvoll für ihre Bevölkerung einsetzen, sondern ihre Regierungen sich das Geld in die eigene Tasche stecken. Entwicklungshilfe sollte eigentlich bedeuten, dass Entwicklungsländer auf eigenen Beinen stehen können und nicht weiter oder zusätzlich abhängig gemacht werden.

Wir haben zugelassen, dass an den Börsen mit Rohstoffen und Lebensmitteln gezockt wird. Wir haben hauptsächlich ein Interesse an Ländern, in denen etwas zu holen ist. Wenn es in Ländern der 3. Welt (eigentlich mag ich die Bezeichnung nicht) Putschversuche oder Unruhen gab oder gibt, hat die sog. zivilisierte 1. Welt nur eingegriffen, wenn sie sich einen Rohstoff- oder Absatzvorteil davon versprechen konnte. Eins der schlimmsten Beispiele ist Ruanda, wo die Blauhelme abgezogen wurden, als fast 1 Millionen Menschen abgeschlachtet wurden. Wir sagen, dass sei so weit weg, darum könne man sich nicht auch noch kümmern.

Im Umkehrschluss sind natürlich Fehler durch die Politik in ihren Ländern gemacht worden. Schuld ist nie einer alleine. Dazu gehören wenigstens zwei Seiten.

Was ist der Unterschied zwischen Politikern/Spekulanten und einem Hummer? Der Hummer wird beim Abkochen rot. Die Schuld einzig und allein den Verantwortlichen zuzuschieben, wäre falsch, denn wir nehmen es hin. Machen und machen lassen. Wir nehmen unsere Volksvertreter nicht in die Pflicht. Wie wäre es, wenn sie nach ein paar Monaten beweisen müßten, dass sie ihre Wahlversprechen eingehalten haben bzw. daran arbeiten, anstatt sich mit merkwürdigen Ausreden herauszureden?

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